Über Leben mit System und die Notwendigkeit einer eigenen Routine …

Sebastian Wiegmann, Leben mit System, Tagesplan, Struktur, Routine,
Hemer, 2017

“Wie machst du das, dass du immer so gut gelaunt bist”, hat mich eine Freundin letztens gefragt.

“Ich habe mich dafür entschieden”, sage ich. “Ich überlasse nichts mehr dem Zufall. Ich lebe mit System …”

Das mag sich jetzt vielleicht langweilig und uncool anhören, aber mein Tag ist von morgens bis abends durchgeplant.

Ich bin weg von dieser Philosophie, dass ich den Tag so nehme, wie er kommt und mal gucke, was ich mit meiner Zeit anstellen werde.

Stattdessen habe ich entschieden, was mir wichtig ist, was für mich Fortschritt bedeutet und was ich tun muss, um den Fortschritt, den ich sehen möchte, zu erreichen.

Seit ich die Karosserie meines Lebens entworfen habe — seit ich mit System lebe –, habe ich das Gefühl, dass ich den ganzen Tag über mehr Energie habe und besser gelaunt bin, weil von der Struktur, die ich geschaffen habe, eine Anziehungskraft ausgeht, die mich durch den Tag zieht.

Ich will ehrlich sein:

Ich selbst habe mich am meisten gegen Struktur und Routine gewehrt, weil ich mit Routine Monotonie und Langeweile verbinde. Allerdings ist mein System eine Form von Routine, die ich mir geschaffen habe und die mir nicht von jemand anderem auferlegt worden ist.

Soll heißen, ich tue die Dinge, die ich tue, weil ich sie tun möchte; nicht, weil ich sie tun muss. Das ist der Unterschied.

Trotzdem bitte nicht falsch verstehen:

Ich springe nicht jeden Morgen super gut gelaunt aus dem Bett und tanze vor Freude …

An zwei Tagen in der letzten Woche lag meine Motivation nur bei 5 von 10. Ich hatte weder Bock, Morgenseiten zu schreiben, noch wollte ich laufen gehen oder Liegestütze machen. Ich hatte einfach scheiß miese Laune und war unzufrieden.

Allerdings habe ich trotzdem Morgenseiten geschrieben und bin trotzdem laufen gegangen und habe trotzdem Liegestütze gemacht mit dem Ergebnis, dass meine Motivation auf 7 von 10 angestiegen ist.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass es kein Zufall ist, dass ich gute Laune habe. Ich habe herausgefunden, welche Methoden für mich funktionieren und ein System für mich geschaffen, mit dem ich reproduzierbare Ergebnisse erziele. Meine Zufriedenheit liegt abends deshalb im Schnitt bei 9 von 10.

Woher ich das weiß?

Ich dokumentiere meine Zufriedenheit; und genauso dokumentiere ich meine Motivation, mein Gewicht, wie viele Stunden ich die Nacht zuvor geschlafen habe, wie viel Geld ich eingenommen und ausgegeben habe,  und ob ich meiner Maxime “Disziplin statt Motivation” gerecht geworden bin.

Mittlerweile weiß ich zu jedem Zeitpunkt, in welcher geistigen und körperlichen Verfassung ich mich befinde. Ich weiß, ob es eventuell an der Zeit ist, meine Laune ein wenig aufzuhellen, indem ich einen Song von Katy Perry höre, ich meine Gedanken aufschreiben oder verschärft auf meine Ernährung achten sollte.

Ich dokumentiere mein Leben und werte die Daten, die  ich sammle, aus. Das hilft mir, bessere Entscheidungen zu treffen.

Mir ist bewusst, dass sich das alles noch sehr  vage anhört, aber ich hatte, ehrlich gesagt, auch nicht vor, jetzt schon über “Leben mit System” zu schreiben … Allerdings ist in meinem Freundeskreis eine Person wieder in eine depressive Episode abgerutscht … Unter anderem, weil sie ihre Routine vernachlässigt hat …  

Weil ich weiß, wie beschissen sich das anfühlt, möchte ich mir selbst (und dieser Person und anderen) mit diesem Blogpost in Erinnerung rufen, dass eine positive Einstellung zum Leben, aus der eine hohe Lebensqualität inklusive guter Laune geboren wird,  kein Zufall ist. Es ist eine Entscheidung, die mit (harter und nicht endender) Arbeit an sich selbst verbunden ist.

Persönlichkeitsentwicklung ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein immerwährender Prozess. Leben mit System. Jeden Tag. 24 Stunden. Für immer.

Über die Produktfotos der Panasonic FS50, die ich mit einem entfesselten Aufsteckblitz geschossen habe …

Sebastian Wiegmann Fotografie Produktfoto Panasonic FS50
Hemer, 2017

Die Panasonic FS50* ist eine digitale Kompaktkamera, mit der ich zwischenzeitlich fotografiert habe, als ich der Meinung war, dass ich einen dauerhaften Reisebegleiter bräuchte.

„If there’s one thing I’ve found”, sagt Fotograf Peter Hurley, “ it’s that people think they gonna get the answer by making a gear purchase. And then they make the gear purchase and the answer isn’t there.“

Bedeutet, die Panasonic FS50 hat die meiste Zeit im Schrank gelegen und ist von mir nicht benutzt worden. Wieder 99 Euro, die ich “mal eben” zum Fenster rausgeschmissen habe, als die Kohle noch locker saß.

Jetzt ist es so:

Die fetten Jahre sind für mich vorbei, das ist kein Geheimnis. Ich verdiene im Moment Geld, indem ich all die Brocken, die ich irgendwann mal gekauft, aber nie wirklich gebraucht habe, auf Ebay verticke.

Damit ich Brocken wie die Panasonic FS50 auf Ebay verkaufen kann, muss ich sie natürlich fotografieren; und das ist eine gute Möglichkeit, meine Fähigkeiten in der Produktfotografie zu verbessern.

Es folgt der Tutorial-Teil …

Sebastian Wiegmann Fotografie Produktfoto Panasonic FS50 Lichtsetup Behind the Scenes Breakdown
Hemer, 2017
Equipment
Aufbau & Kameraeinstellungen
  1. Die Tischplatte mit einem feuchten Putzlappen abgewischt und festgestellt, dass die Tischplatte ganz schön viele Macken hat.
  2. Panasonic FS50 in der Mitte der Tischplatte positioniert und leicht nach rechts eingedreht, damit sie zum Licht guckt.
  3. Aufsteckblitz auf dem Mikrofonstativ montiert und den Aufsteckblitz direkt und sehr nah über der Panasonic FS50 positioniert. (Siehe Foto)
  4. Die Blitz-Power des Aufsteckblitzes auf die niedrigste Stufe gestellt.
  5. Canon 1200D in den manuellen (“M”) Belichtungsmodus gestellt und mit folgenden Einstellungen fotografiert: f/5.6, 1/100, 50 mm, ISO 200, WB “Blitz”
Sebastian Wiegmann Fotografie Produktfoto Panasonic FS50
Hemer, 2017
Sebastian Wiegmann Fotografie Produktfoto Panasonic FS50
Hemer, 2017
Anmerkung

Ich habe den Aufsteckblitz so nah über der Panasonic FS50 positioniert, damit das Blitzlicht überwiegend auf die Panasonic FS50 und weniger bis gar nicht auf den Hintergrund fällt.

Auf diese Weise konnte ich den Vordergrund schön vom Hintergrund trennen. Der Hintergrund verliert sich in der Dunkelheit außerhalb des Lichtkegels, den der Aufsteckblitz auf dem Tisch erzeugt.

***

Die Produktfotos der Panasonic FS50* sind keineswegs perfekt. Die Handschlaufe liegt nicht optimal, es ist eine Macke des Tisches zu sehen und auf der Kamera sind ein paar Staubkörner zu erkennen.

Das sind alles Sachen, die ich mit einer Software wie Lightroom oder Photoshop retuschieren könnte; möchte ich jedoch nicht.

Mein Ziel ist es, Fotos zu schießen, die “out of camera” so nah am fertigen Ergebnis wie möglich sind und die ich, wenn überhaupt, nur leicht mit der Google Photos App nachbearbeiten brauche.

Trotzdem bin ich alles in allem mit meinem kleinen Produktfototest sehr zufrieden und freue mich auf das nächste Lichtexperiment.

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Die Wahrheit über mich oder warum ich 15,95 Euro für ein neues Notizbuch ausgegeben habe …

Ich möchte weniger Zeit vor meinem Computerbildschirm verbringen und deshalb hadere ich seit Tagen mit mir, ob ich meine Blogposts nicht doch erst in ein Notizbuch schreiben soll, bevor ich sie anschließend am Computer abtippe und überarbeite.

Auf diese Weise würde die Computerkiste nämlich länger ausbleiben und “Writing it first in pencil”, schreibt Ernest Hemmingway, “gives you one-third more chance to improve it.”

Überzeugt!, dachte ich, als ich diesen Satz gestern im Buch Ernest Hemmingway On Writing* gelesen habe, während ich an der Haltestelle auf den Bus gewartet (und keinen Süßkrams gegessen) habe.

Also bin ich gestern Abend kurz vor Ladenschluss noch zu Karstadt getigert und habe mir ein neues Leuchtturm 1917 Notizbuch* (liniert) gekauft, um zukünftig mehr handschriftlich zu schreiben.

Jetzt ist es so:

Im Moment sitze ich an meinem Computer und schreibe diesen Blogpost. Ich tue also genau das, was ich eigentlich durch den Kauf den Notizbuchs vermeiden wollte. Habe ich mich selbst belogen? — Nein.

Folgendes:

Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gekauft, das den Titel Die Wahrheit über mich* trägt. Die Wahrheit über mich ist ein “Ausfüllbuch mit außergewöhnlichen Fragen”; soll heißen, in dem Buch stehen unfassbar viele Fragen, die ich als Leser beantworten kann. Und durch die Beantwortung der Fragen lerne ich mich selbst besser kennen —  also im besten Fall.

Ich schiebe diese Frage-und-Antwort-Session seit Monaten vor mir her und rede mir selbst ein, dass ich einfach keine Zeit dafür hätte. Aber das ist schlichtweg gelogen. Ich habe einfach die passende Ausdrucksform noch nicht gefunden.

Aus diesem Grund habe ich mir gestern Abend ein Versprechen gegeben; habe einen Pakt mit mir selbst geschlossen:

Ich kaufe das Notizbuch, aber ich verpflichte mich dazu, jeden Tag mindestens eine Frage aus Die Wahrheit über mich handschriftlich in diesem Notizbuch zu beantworten.

Auf diese Weise schlage ich nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe:

  1. Ich verbringe weniger Zeit vor meinem Computerbildschirm.
  2. Ich benutze Die Wahrheit über mich endlich so, wie der Autor sich das vorgestellt hat, und beantworte die vielen außergewöhnlichen Fragen.

Die Wahrheit über mich* ist ein spannendes Konzept, das ich so faszinierend finde, dass ich schon drüber nachgedacht habe, ob ich daraus nicht einen Vlog, einen Podcast oder eine Reihe Blogposts machen könnte.

Hat bisher nicht geklappt. Deshalb mache ich ein paar Schritte zurück und fange ganz klein und unschuldig an, indem ich die Antworten in meinem Notizbuch festhalte.

Wie sagt Neil Gaiman in der Dokumentation Dream Dangerously so treffend: “It’s all like a strange game, in which as long as I can convince myself that what I’m doing is unimportant, trivial, doesn’t actually matter, and I’m just doing it for fun — then it’s fine.“

Über die Karosserie meines Lebens und warum ein gutes Design noch kein Auto macht …

Die Karosserie meines Lebens habe ich designt und seit ein paar Wochen teste ich den Prototypen, den ich gebaut habe. Er funktioniert (bis jetzt).

Trotzdem fehlt mir noch ein entscheidendes Element, damit mein Auto nicht bloß eine zwar elegante, aber doch leider leere Hülle bleibt …

Bis gestern Abend dachte ich, mir würde der Motor fehlen, habe dann jedoch gelernt, dass es das Fahrgestell ist, das die Karosserie trägt.

Soll heißen, mein Motor ist der Wunsch, anderen Menschen zu helfen, von A nach B zu kommen. Ich möchte verstehen, wer ein Mensch ist und wo er im Moment steht, um dann gemeinsam mit ihm die Schritte zu planen, die er gehen könnte, damit er der Mensch wird, der er sein möchte.

Das Fahrgestell hingegen ist mein Job, mit dem ich das Geld verdiene, das ich brauche, wenn ich Motor und Karosserie langfristig in Schuss halten möchte.

Im Moment verdiene ich meinen Lebensunterhalt damit, dass ich mein Hab und Gut auf Ebay verticke. Und ich muss sagen, dass macht tatsächlich Spaß. Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen und der finanzielle Ertrag ist dafür echt okay.

Meine momentane Tätigkeit kommt dem Prinzip des “Dropshipping” sehr Nahe; der Unterschied ist lediglich der, dass ich die Artikel noch selbst verschicke und natürlich keine laufenden Investitionskosten habe, weil alles, was ich verkaufe, mein eigener Besitz ist.

Der Arbeitstitel dieses Experiments lautet: “Batman Business Model” …

Soll heißen, ich gehe einer Bruce Wayne-Tätigkeit nach — Hab und Gut auf Ebay verkaufen — und finanziere mir damit meine Batman-Tätigkeit — Anderen Menschen helfen von A nach B zu kommen.

Ich werde mich in Zukunft mehr mit dem Thema Dropshipping befassen müssen, wenn ich herausfinden möchte, ob das ein (neues) Geschäftsmodell für mich sein könnte oder nicht.

Aber, und das möchte ich an dieser Stelle dazusagen, natürlich denke ich gerade nur laut …

Bedeutet, Dropshipping ist tatsächlich eine Möglichkeit des Geldverdienens, über die ich mir im Moment Gedanken mache; allerdings ist es nicht die einzige.

Eine andere Möglichkeit des Geldverdienens wäre zum Beispiel ein eigenes Info-Produkt. Ich könnte versuchen, als Berater tätig zu werden. Oder vielleicht werde ich in Zukunft einfach wieder Zeitungen austragen …

Ich weiß es noch nicht …

Was ich jedoch weiß, ist, dass es erst den Prototypen der Karosserie gebraucht hat und die Gewissheit, dass er funktioniert; denn jetzt kann ich zu der Karosserie ein passendes Fahrgestell suchen.

Das ist wahrscheinlich nicht der klassische Weg, wie Autos gebaut werden, aber hey … Wäre nicht das erste Mal, dass ich mit meiner etwas unkonventionellen Herangehensweise Erfolg hätte — oder brutal auf die Schnauze falle.

PS Warum ich neuerdings immer Autovergleiche heranziehe, weiß ich nicht. Ich habe nicht mal einen Führerschein! 😉

Über mein neues Leben ohne Smartphone … (Teil 2)

Das Handy ausschalten ist wie die Zimmertür zumachen: Ein Zeichen dafür, dass ich nicht gestört werden möchte.

“Alter”, höre ich in der letzten Zeit öfter von meinen Freunden, “du bist nie zu erreichen!”

“Das stimmt doch gar nicht”, sage ich dann, “du kannst mich jederzeit während meiner Sprechstunde erreichen; jeden Tag von 12-13 Uhr. Oder wir machen einen Telefontermin aus.”

Ist der Typ jetzt völlig durchgeknallt, denke ich, dass meine Freunde denken, wenn ich in ihre ungläubigen Augen schaue.

Aber der Reihe nach …

Wenn ich die erste Testphase mit einbeziehe, habe ich mich vor gut vier Wochen von meinem Smartphone getrennt.

Ich habe mein altes Nokia 100* reaktiviert, das weder Kamera noch Internet hat, und das außerdem 22 von 24 Stunden am Tag ausgeschaltet in meinem Schrank liegt.

Mein Handy ist nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens; es ist lediglich noch ein Werkzeug, das ich aus dem Werkzeugkasten (meinem Schrank) nehme, wenn ich es brauche.

Wann brauche ich mein Handy?

Ich schalte mein Handy mittags von 12 – 13 Uhr ein, um für jeden, der mit mir quatschen möchte, erreichbar zu sein. Allerdings sollten diese Telefonate nicht länger als 5 – 10 Minuten dauern.

Ich gehe davon aus, wenn ein Telefonat länger als 5 – 10 Minuten dauert, dass der Inhalt, der besprochen wird, wichtig ist. Und dementsprechend möchte ich sowohl dem Anrufer als auch seinem Anliegen den Respekt (und die Zeit) entgegenbringen, der ihm gebührt.

Bedeutet, entweder verabreden wir uns zu einem Telefontermin oder — noch viel besser — wir treffen uns zu einem Vieraugengespräch und unterhalten uns in aller Ausführlichkeit und Ruhe.

Ich schalte mein Handy außerdem ein, wenn ich mich auf den Weg zu einem Treffen mit einer Person mache; schließlich besteht immer die Möglichkeit, dass sich kurzfristig noch etwas ändert.

Sobald die Person und ich uns jedoch gefunden haben, schalte ich mein Handy aus; denn, wie gesagt: Ob ich mein Handy ausschalte oder die Zimmertür schließe, beides ist ein Zeichen dafür, dass ich nicht gestört werden möchte.

Wann brauche ich mein Handy nicht?

Die restlichen 22 Stunden des Tages.

Ich bin mittlerweile wieder an dem Punkt angekommen, wo es sich für mich nicht mehr seltsam anfühlt, ohne Handy aus dem Haus zu gehen.

Ich fühle mich nicht mehr “nackt”.

Außerdem merke ich, dass ich einen Schritt auf mein eigentliches Ziel zugemacht habe und die Fragmentierung meiner Konzentration nachlässt. Ich kann mich wieder besser über einen längeren Zeitraum einer einzigen Aufgabe widmen.

Wie geht es jetzt weiter?

Als allererstes möchte ich festhalten, dass ich kein militanter Smartphone-Hasser geworden bin. Smartphones sind eine faszinierende Erfindung, aber im Moment habe ich das Gefühl, dass sie mir mehr nehmen als sie mir geben.

Smartphones alleine sind jedoch nicht Schuld daran, dass ich die Aufmerksamkeitsspanne einer Amoebe habe. Ich bin derjenige, der nach sofortiger Belohnung lechzt und für den das Smartphone eine bequeme Möglichkeit gewesen ist, seine Sucht zu befriedigen.

Allerdings ist es noch mehr als nur die Gier nach sofortiger Belohnung … Es ist die Gier nach Information und die damit verbundene Angst etwas zu verpassen.

Jetzt ist es nur so:

Ob ich mit meinem Smartphone im Internet surfe, Blogartikel lese, YouTube Videos gucke, und Podcasts höre oder, ob ich mir auf meinem iPod Shuffle unterwegs zwei, drei oder vier Podcasts reinziehe, macht keinen Unterschied.

Das Gerät ist ein anderes, aber der Grund bleibt der gleiche: Ich habe Angst, etwas zu verpassen. — Aber warum?

Alles, was ich glaube, verpasst zu haben, kann ich im Bruchteil einer Sekunde nachholen, wenn ich möchte; schließlich ist alles in den unendlichen Weiten des World Wide Web abgespeichert und jederzeit für jedermann abrufbar.

Soll heißen, so richtig und wirklich verpassen, wie das früher der Fall gewesen ist, wenn ich den Fernseher nicht zur richtigen Uhrzeit eingeschaltet habe, kann ich gar nichts mehr.

Das Ding ist, je länger ich drüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass es weniger die Angst ist, dass ich etwas verpassen könnte, und mehr die Angst ist, dass ich etwas vergessen könnte.

Ich habe Angst, wenn ich aufhöre, Informationen zu konsumieren, mein Wissen — oder noch schlimmer: meine Weisheit — zu verlieren.

Dabei ist doch gerade Weisheit Wissen, das nicht zwangsläufig auf Fakten sondern auf Lebenserfahrung beruht.

Bedeutet, wenn Weisheit mein höchstes Ziel ist, sollte ich dann nicht eher danach streben, weniger Information in Form von Daten und Fakten und mehr Information in Form von Lebenserfahrung zu sammeln?

Der nächste Schritt in der Abrüstung der Ablenkungsmöglichkeiten für meine Aufmerksamkeit wird sein, dass ich den Lese- bzw. Medienentzug weitermachen werde, den ich gestern gestartet habe.

“Josh Waitzkin minimizes input”, sagt Autor Tim Ferriss, “to maximize output.”

Bedeutet, ich möchte so wenig wie möglich Bücher und Blogartikel lesen, Hörbücher und Podcasts hören, oder Filme, Serien und YouTube Videos gucken, die mir allgemein zur Ablenkung dienen oder ein ganz gezielter Versuch sind, meine Angst vor dem Vergessen vergessen zu machen.

Wenn ich Informationen recherchiere, dann möchte ich das ganz gezielt und zu einem vorher klar definierten Thema machen, das im Einklang mit meinem übergeordneten Lebensziel steht; und vor allem möchte ich meine Rechercheergebnisse anschließend auch auswerten.

Daten lediglich zu sammeln, ist eine Sache; die Daten auszuwerten und die gewonnenen Erkenntnisse in der Praxis anzuwenden, eine völlig andere. Das eine ist Ablenkung; das andere ist Fortschritt.

Ich möchte Fortschritt.

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Über Geldwert, Nutzwert und meine Unsicherheit gegenüber einem eigenen Info-Produkt …

“Actually if a writer needs a dictionary”, schreibt Autor Ernest Hemmingway in einem Brief an Bernard Berenson, “he should not write.”

Als ich diesen Satz im Buch Ernest Hemmingway On Writing* gelesen habe, ist mir für einen kurzen Moment der Atem gestockt. Ich schlage ständig Wörter im Wörterbuch nach. Sollte ich vielleicht besser aufhören zu schreiben?, schoss es mir sofort durch den Kopf. Ach, was weiß Hemmingway schon!, fing ich an mich innerlich auf Krawall zu bürsten. Das ist seine Meinung; nicht meine! Ich atmete tief durch. Irgendwo muss ich ja anfangen, beruhigte ich mich. Und je mehr Wörter ich nachschlage, desto mehr Wörter werde ich auf lange Sicht (hoffentlich) kennen. Alles gut.

Ich merke immer öfter, dass Zorn, Wut und vorschneller Widerspruch ein guter Indikator für meine eigenen Unsicherheiten sind.

Sie scheinen ein Licht auf eine meiner vielen Ängste, die irgendwo tief in mir vergraben liegt und die ich zu Tage fördern muss, damit ich ihr ins Gesicht blicken und sie besiegen kann.

Nur darf ich auch nicht vergessen, dass alles eine Frage der Perspektive ist: Mag ja sein, dass Hemmingway der Ansicht ist, dass ein Autor das Wörterbuch dreimal gelesen haben sollte, bevor er anfängt überhaupt irgendwas zu schreiben.

Mein Ansatz ist ein anderer; ich glaube an Learning by Doing. Ich fange an und ergänze meine Wissenslücken, während ich unterwegs bin.

Ist die eine Perspektive besser als die andere? Nein, sie ist lediglich anders. Das ist alles.

Ein anderes Beispiel. dass mir sehr viel über meine inneren Ängste verrät, sind Info-Produkte …

Info-Produkte sind zB Ebooks im PDF-Format, die über ein bestimmtes Thema informieren, aber auch klassische Bücher, die jeder bei Amazon kaufen kann, oder Training-DVDs, oder … Das Angebot ist vielfältig.

Das Ding mit Info-Produkten ist, dass sie eine große Rolle für Menschen spielen, die sich auf das Thema “Lifestyle Design” spezialisiert haben; “Passives Einkommen” ist ein anderes Schlagwort, das gerne im Zusammenhang mit Info-Produkten genannt wird.

Autor Tim Ferriss erklärt in seinem Buch Die 4-Stunden Woche*, wie im Grunde genommen jeder mit einem Info-Produkt Geld verdienen kann … Schließlich müsse man dafür kein Experte sein, schreibt er, denn “‘Experte’ [bedeutet] im Kontext des Produktverkaufs, dass sie mehr von dem Thema wissen als der Käufer. Sonst nichts. Sie müssen nicht der Beste sein — nur besser als ihre potenziellen Kunden.”

Egal, ob es Tim Ferriss oder eine andere Person ist, sobald ich das Wort “Info-Produkt” höre, und lese, wie mache Info-Produkte hergestellt werden, denke ich an Abzocke.

Der Witz an der Sache ist nur, dass ich selbst jemand bin, der Info-Produkte kauft! — Bitte was?!

Ja, ich kaufe Info-Produkte.

Ich habe zB für 40 Euro ein 42-seitiges PDF gekauft, das mir detailliert Aufschluss über mein Testergebnis des Color Code-Tests gibt.

Und ich habe für weitere 30 Euro (?) ein PDF gekauft, das mir detailliert Aufschluss über mein Testergebnis des 16Personalities-Tests gibt.

Stellt sich die Frage: Warum?

Die Antwort ist erschreckend einfach, denn der Nutzwert dieser PDF Ebooks ist für mich viel größer gewesen als der Geldwert, den sie mich gekostet haben.

Der Color-Code Test hat sogar mein Leben verändert:

Herauszufinden, mit was für einem Persönlichkeitskern ich geboren worden bin, ist das fehlende Puzzlestück gewesen, das ich gebraucht habe, um vollends zu verstehen, warum ich so denke, fühle und mich verhalte, wie ich es tue.

Der Geldwert von 40 Euro, den ich für das PDF Ebook gezahlt habe, erscheint mir verschwindend gering, wenn ich mir den Nutzwert in Form von mehr Klarheit und mehr Gewissheit und besserer Lebensqualität vor Augen führe.

Trotzdem scheue ich mich, selbst ein Info-Produkt anzubieten. Ich habe es noch nicht geschafft, diese Unsicherheit zu überwinden. Es ist mir noch nicht gelungen, das dubiose Image, das ein Info-Produkt für mich hat, in ein positives Licht zu rücken.

Im Moment überwiegt noch die Angst, dass ich als Betrüger entlarvt werden könnte, der Vorstellung der Reue, die ich fühlen werde, wenn ich auf mein Leben zurückblicke und es nicht wenigstens versucht habe.

Andererseits stellt sich mir die Frage:

Muss ich mit einem Info-Produkt zwangsläufig Geld  verdienen? Oder könnte ich das Info-Produkt auch kostenlos anbieten, weil ich mein Geld anderweitig verdiene?

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Über die alles entscheidende Frage, die ich mir stelle, bevor ich mich von etwas trenne …

In den letzten Tagen und Wochen habe ich mich von (materiellen) Dingen getrennt, von denen ich lange Zeit geglaubt habe, dass ich mich niemals von ihnen trennen würde, weil ich sie als Teil von mir empfunden habe.

Stellt sich die Frage: Woher kommt der (plötzliche) Sinneswandel?

“Ask yourself:”, schrieb der Philosoph Seneca in einem Brief an den Dichter Lucilius*, “Is this the condition I so feared?” Eine spannende Idee, die mich inspiriert hat, kleine Experimente zu starten …

Experiment 1: MacBook Air

Bevor ich mein MacBook verkauft habe, habe ich recherchiert, was es für Alternativen gibt.

Ich bin auf Chromebooks gestoßen und habe gelernt, dass das Herz eines Chromebooks mehr oder weniger der Internetbrowser Google Chrome ist.

Also habe ich Google Chrome auf meinem MacBook Air installiert und meinen kompletten Workflow neu gestaltet:

Statt mit iA Writer habe ich Texte mit Google Docs geschrieben; statt mit iPhoto habe ich Fotos mit Google Photos nachbearbeitet; statt Videos mit iMovie oder Final Cut Pro X zu schneiden, habe ich ein Video mit dem YouTube-Videoeditor geschnitten.

Stellt sich raus, Schreiben und Fotonachbearbeitung sind kein Problem; Videonachbearbeitung sollte ich mir jedoch besser knicken. Trotzdem wäre ein Chromebook (oder ein ähnliches Windows-Notebook) eine mögliche Alternative zu meinem MacBook Air.

Experiment 2: Fuji X30

Bevor ich meine Fuji X30 Fotokamera verkauft habe, habe ich sie für mehrere Wochen in den Schrank gestellt und stattdessen sowohl mit einer Panasonic DMC-FS50 als auch mit einer Canon 1200D mit 50mm f1.8 Objektiv fotografiert.

Stellt sich raus, die Fotos, die ich geschossen habe, waren anders, aber nicht besser oder schlechter. Die Fuji X30 hat ihre Vorzüge, aber ich bin nicht zwangsläufig auf sie angewiesen, wenn ich ein Foto schießen möchte.

Experiment 3: iPhone

Bevor ich mein iPhone 6s verschenkt habe, habe ich jegliche Apps deinstalliert, die mir unterwegs erlaubt hätten, im Internet zu surfen.

Bedeutet, kein Google Maps, kein Instagram, kein Email … nichts dergleichen. Ich wollte herausfinden, ob ich unterwegs im Kleinstadtdschungel auch ohne Internetzugang überleben kann.

Stellt sich raus, ohne Internetzugang unterwegs zu sein oder sogar zu reisen, erfordert mehr Planung vorab, ist für mich jedoch nicht so unmöglich, wie ich angenommen hatte.

Auf außenstehende Personen mögen meine Entscheidungen oftmals wie Kurzschlussreaktionen wirken, aber mittlerweile überprüfe ich jede meiner Ideen auf ihre Umsetzbarkeit.

Ich hole mir so schnell wie möglich Feedback ein, damit ich nicht Gefahr laufe, dass ich mich lediglich auf die Realität in meinem Kopf verlasse, die in den seltensten Fällen mit meiner tatsächlichen Lebensrealität übereinstimmt.

Bedeutet, jedes Mal, wenn ich merke, dass ich mich vor einer Situation fürchte, begebe ich mich entweder in diese Situation oder ich stelle eine möglichst ähnliche Situation her und stelle mir die alles entscheidende Frage: Ist das die Situation, vor der ich mich so gefürchtet habe?

Die Antwort überrascht mich jedes Mal aufs Neue, denn die Konsequenzen sind nie so schrecklich, wie ich im Vorfeld befürchtet hatte.

Ein (letztes) Beispiel:

Ich bin 15 Jahre lang mit dem Gefühl durch die Welt spaziert, dass ich hässlich bin. Ich hatte immer Angst, dass andere mich mit meiner Hässlichkeit konfrontieren. Ich hatte Angst, dass andere mich auslachen und mich fertigmachen.

Die Folge war, dass ich mich zB mit Händen und Füßen dagegen gewehrt habe, wenn mich jemand fotografieren wollte. Und eine Zeit lang war es sogar so, dass ich mit meiner damaligen Freundin nicht mehr (oder nur sehr ungerne) an öffentliche Orte gegangen bin, weil ich mich dafür geschämt habe, dass sie, eine unglaublich schöne Frau, mit mir, einem unfassbar hässlichen Typen, gesehen wird.

„You gotta be ready for people to say things to you that might be honest”, sagt Mixed Martial Arts-Koryphäe Dominick Cruz. “I look at myself from a very honest point of view every single day. There is nothing somebody can tell me that I haven’t already said about myself or to myself.“

Soll heißen, seit ich offen damit umgehe, dass ich ein Iris-Kolobom und ein schiefes Gesicht habe, dass mein linkes Bein kürzer als mein rechtes ist und ich seit 10 Jahren ein und dieselbe “Frisur” trage, weil ich keine Haare mehr auf dem Kopf habe, hat sich meine Angst in Luft aufgelöst. Die Katze ist aus dem Sack. Das Geheimnis ist kein Geheimnis mehr. Die Situation, vor der ich mich so gefürchtet habe, war ein reines Hirngespinst.

Ein (letzter) Gedanke:

Ich glaube, seit ich diese Form des Exorzismus betreibe und mich öffentlich mit meinen Ängsten konfrontiere, habe ich aufgehört, mich selbst zu bemitleiden.

Eine meiner größten Stärken ist meine Pragmatik: Wenn ich Videos gedreht habe, habe ich immer das Beste aus den Möglichkeiten gemacht, die ich hatte. Ich habe mit den Mitteln gearbeitet, die mir zur Verfügung gestanden haben. Ich habe mich auf die Fakten konzentriert, den Ist-Zustand analysiert, statt mich mit Wunschdenken aufzuhalten.

Das Ding ist, seit ich diese Herangehensweise auf mich als Mensch übertragen habe, seit ich akzeptiere, wie es ist, statt mich darüber zu beschweren, wie es nicht ist, aber gleichzeitig auch sehe, wie es sein könnte, wenn ich aus den den Mitteln und Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen, das Beste mache, geht es mir viel, viel besser.

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