Selbstwertgefühl stärken: Wir wir uns selbst und anderen Wertschätzung zeigen können

Ein Mangel an Wertschätzung kann krank machen

Wenn wir uns nicht wertgeschätzt fühlen; wenn wir nicht beachtet, respektiert und anerkannt werden; wenn Anstrengungen, die wir leisten, nicht gebührend honoriert, sondern als selbstverständlich abgetan werden, dann kann das Stress und Dauerfrustration auslösen.

Stress und Dauerfrustration wiederum tragen dazu bei, dass wir einen depressiven Erschöpfungszustand erleben. Wir erleiden einen Burnout. – Wir brennen aus.

Ein Gefühl ist kein Zustand, sondern ein Tun

Stellen wir uns vor, dass jedes Gefühl wie ein Container ist, in den wir bewusst oder unbewusst positive oder negative Inhalte hineintun. Je voller der Container mit diesen positiven oder negativen Inhalten gefüllt ist, desto stärker spüren wir das daraus resultierende positive oder negative Gefühl.

Ein Gefühl ist also kein Zustand, sondern ein Tun, das wir durch unser eigenes Handeln beeinflussen.

Oftmals erscheint es uns ungerecht, dass wir für positive Gefühle so viel mehr tun müssen als für negative Gefühle. Negative Gefühle scheinen einfach aus dem Nichts aufzutauchen.

In Wahrheit tun wir mehr für unsere negativen Gefühle, als uns bewusst ist. Würden wir nämlich nichts für unsere negativen Gefühle tun, wären sie nicht so stark spürbar und allgegenwärtig.

Daraus können wir schlussfolgern, dass es unser Job ist, darauf zu achten, dass wir so viele positive Inhalte wie möglich in unsere Gefühlscontainer tun, wenn wir ein glückliches und positiv erfülltes Leben führen wollen.

Stellt sich die Frage: Was können wir tun, um unseren Container “Selbstwert” mit positiven Inhalten zu füllen?

Wie wir Wertschätzung zum Ausdruck bringen können

Wertschätzung ist ein Grundbedürfnis und Verstärker ersten Ranges. Wenn wir Wertschätzung erhalten, blühen wir auf und wachsen über uns hinaus.

Das bedeutet, wenn wir unser Selbstwertgefühl oder das Selbstwertgefühl anderer stärken wollen, müssen wir lernen, uns selbst und andere wertzuschätzen.

Wertschätzen bedeutet, dass wir uns selbst und andere (be)achten, respektieren und anerkennen.

Wir können uns selbst und andere (be)achten, respektieren und anerkennen, indem wir:

  1. Wahrnehmen, also Gedanken und Gefühle beobachten, benennen und zulassen.
  2. Werten, also Verhalten und Tun mit positiven Worten und/oder Gesten loben.
  3. Würdigen, also den Wert von Leistungen und Personen erkennen und mit positiven Worten und/oder Gesten hervorheben.

Ein paar Beispiele dafür, was wir sagen können, wenn wir uns und andere wertschätzen wollen:

  1. Wahrnehmen:
    • “Ich merke, dass ich den Gedanken denke, dass ich [Gedanken hier einfügen].”
    • “Ich merke, dass ich den Gedanken denke, dass ich nicht gut genug bin.”
  2. Werten:
    • “Ich bin stolz auf dich, dass du [dieses und jenes] getan hast.”
    • “Ich bin stolz auf dich, dass du dein Versprechen gehalten hast.”
    • Oder pauschal: “Das hast du gut gemacht.”
  3. Würdigen:
    • Leistung: “Guck mal, was du alles gelernt/getan/erreicht/etc. hast: … Darauf kannst du richtig stolz sein! Jetzt kannst du …”
    • Leistung: “Guck mal, was du erreicht hast: Du bist nach einem Monat 5 Kilometer am Stück gejoggt. Darauf kannst du richtig stolz sein! Jetzt kannst du mehr, als du dir am Anfang zugetraut hast.”
    • Person: “Du bist eine [Adjektiv] Person, weil du [dieses und jenes] tust. Das ist echt super, weil …
    • Person: “Du bist eine neugierige Person, weil du viele Fragen stellst und Dingen auf den Grund gehst. Das ist echt super, weil du dadurch immer neue Dinge lernen wirst.”

Ein paar Beispiele dafür, was wir tun können, wenn wir uns selbst und andere wertschätzen wollen:

  1. Wahrnehmen:
    • Körpersprache beobachten und interpretieren
    • Fragen stellen, etwa: “Was geht jetzt gerade in dir vor?”, “Was beschäftigt dich zur Zeit?”
  2. Werten:
    • Auf die Schulter klopfen.
    • In den Arm nehmen.
    • Daumen hoch zeigen.
    • Zunicken. Lächeln.
    • Nahe neben der Person stehen.
  3. Würdigen:
    • Siehe “2. Werten”
    • Person mit ihrem Vornamen ansprechen.
    • Der Person aktiv zuhören.
    • Der Person mit bedingungslosem Wohlwollen begegnen.
    • Keine Erwartungen haben. Die Person annehmen, wie sie ist.

Der positive Effekt von Wertschätzung

Wertschätzung ist, wie bereits erwähnt, ein Grundbedürfnis. Wir sind geradezu süchtig nach Wertschätzung, sehnen uns nach Lob und Anerkennung.

Wenn wir Wertschätzung erhalten, schüttet unser Gehirn nicht nur Dopamin aus, sondern auch das Wohlfühlhormon Oxytocin. Dadurch wird unser Motivationssystem aktiviert und das hat einen positiven Effekt. Wir fühlen uns gut und sind motiviert, etwas zu tun. Das, was wir tun, gelingt uns. Jetzt fühlen wir uns noch besser und sind noch motivierter, noch mehr zu tun.

Wichtig wäre, dass wir erkennen, dass wir nicht darauf warten müssen, dass andere Menschen uns Wertschätzung entgegenbringen. Wir können uns selbst wertschätzen und dadurch unser Selbstwertgefühl stärken. Ganz vereinfacht gesagt, funktioniert Selbstwertschätzung gut, wenn wir uns selbst als unseren besten Freund sehen und uns dementsprechend wahrnehmen, werten und würdigen.

Wir können unsere Gefühle beobachten, benennen und zulassen. Wir können unser Verhalten und Tun loben. Und wir können den Wert unserer Leistungen und den Wert von uns als Person erkennen und mit positiven Worten herausstellen.

Eine hervorragende Möglichkeit, sich selbst wertzuschätzen, ist das Tagebuchschreiben. Wir können zum Beispiel jeden Tag einen kurzen Brief an uns selbst schreiben, in dem wir uns sagen, wofür wir stolz auf uns sind. Das kann zum Beispiel so klingen:

“Lieber Sebastian, ich bin stolz auf dich. Du hast dir vorgenommen, dreimal die Woche laufen zu gehen. Und heute bist du das dritte Mal laufen gewesen. Du hast dein Wochenziel von 15 km erreicht. Echt mega! Ich bin außerdem stolz auf dich, dass du heute wieder einen Brief an dich selbst schreibst. Du hast dir vorgenommen, dir selbst ein guter Freund zu sein und alleine, dass du dir das zum Vorsatz gemacht hast, find ich super. Behalt dir das bei. Du bist ein guter Mann. Ich bin stolz auf dich. –Sebastian”

Wenn wir uns angewöhnen, regelmäßig solche Briefe an uns selbst zu schreiben, werden wir unser Selbstwertgefühl langfristig stärken. Wir werden tief von unserem eigenen Wert überzeugt sein.